Thomas hier…

Rückspiegel

Auch wenn ich mir heute vorgenommen habe, den Tag ganz „gechillt“ anzugehen, eine kleine Begebenheit, die mich inspirierte etwas zu schreiben…

RS-23

Ich war heute zur Mittagszeit einkaufen und wie ich auf dem belebten Parkplatz meines Lebensmittelmarktes ankam, fuhr ich glatt an einem freien Parkplatz vorbei. „Kein Problem“ dachte ich, „parke ich rückwärts ein.“ Über meine meisterlichen, preisgekrönten Einparkkünste habe ich ja bereits in meinem Beitrag „Frauen“ berichtet. Zack, Wagen steht, Rückwartsgang eingelegt, Blinker gesetzt, damit meine werten anderen Verkehrsteilnehmer meine Absicht erkennen, dass ich mir diese großzügige Parklücke als das temporäre Domizil meines schwarzen Boliden ausgewählt habe. Hupkonzert und ein wild gestikulierender Zeitgenosse hinter mir, der mit ca. 10cm Abstand auffuhr. Hinter ihm war kein anderes Fahrzeug, also bin ich davon ausgegangen, dass er eigentlich meine Absicht, nämlich mein Fahrzeug rückwärts in die Parklücke zu lenken, erkannt haben sollte. Leider nicht. Erneut hat er die akustische Warneinrichtung (wie sie lt. StVZO offiziell heisst) betätigt. Immer noch am Fuchteln und die Gesten, die er mir zeigte, wie ich nach hinten schaute, waren nicht derart, dass ich vermuten musste, dass er besonders begeistert war über mein Vorhaben. Ein anderer wäre vielleicht einfach weitergefahren und hätte sich den nächsten freien Parkplatz gesucht. Ich nicht!

Ich bin ausgestiegen, tiefenentspannt (gechillt) und wollte dann doch nachfragen, was an meinem gesetzten Blinker und eingelegtem Rückwärtsgang so schlecht zu verstehen war. Ich bin ja auch immer gerne bereit, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Ich wollte ihm das erklären. Er schrie mich an, noch bevor ich an seinem Wagen ankam. „Ich hab’s eilig, fahr doch endlich weg, Du…“ Welches Schimpfwort er nun benutzen wollte, weiss ich nicht, war ich doch jetzt bedrohlich nah an seinem geöffneten Fenster. Er wurde leiser und irgendwie kleiner in seinem Sitz. „Guter Mann, eine Frage: was heißt das denn, wenn jemand den Blinker setzt und den Rückwärtsgang einlegt?“ Keine Antwort zunächst. Dann: „Hast Du nicht gesehen, dass ich hinter Dir bin, hast Du keinen Rückspiegel?“ Ich überlegte kurz, woher wir uns kennen. Ich bin es mittlerweile gewohnt und schätze das auch, wenn sich Menschen immer mehr duzen, im Apple Store, bei Ikea, aber mir wollte partout nicht einfallen, woher ich diesen Menschen kenne. Mein Gedächtnis? Egal. Ich habe ihm von meinem, sicherlich auch etwas verrückten, Vorhaben erzählt, genau diese Parklücke per Rückwärtsbewegung nutzen zu wollen. Mittlerweile haben sich andere liebenswerte Verkehrsteilnehmer hinter meinem beratungsresistenten Mitbürger mit ihren Fahrzeugen versammelt, die auch leicht verwundert waren, haben die meisten ja auch am Samstag etwas anderes zu tun, als auf dem Parkplatz zu stehen. Mit dem Satz:“Ich geb’s auf und wünsche Ihnen einen wunderbaren Samstag“ setzte mich wieder in meinen Wagen und siehe da, drei Wagenlängen vor mir wurde eine Parklücke frei, die sogar ich bequem vorwärts nehmen konnte.

Während meines Einkaufs und vorher bei sportlicher Aktivität habe ich viel über diese Frage nachgedacht, ob ich keinen Rückspiegel hätte. Gewiss habe ich einen, aber ist es denn immer sinnvoll, nach hinten zu schauen, dass was vor uns liegt, ist doch viel interessanter. Das was hinter uns liegt, ja dafür brauche ich den Rückspiegel, aber was sehe ich? Die Parklücke, die ich hätte nehmen können, die Situationen, die ich vielleicht anders gemeistert hätte? Im Rückspiegel, so nenne wir mal unser Gedächtnis, sieht man oft auch nur die negativen Dinge. Nützt das, sich diese immer wieder in Erinnerung zu rufen? Sicher kann man durch den Aufruf von positiven Erlebnissen, seine Zeit im hier und jetzt gestalten, aber wer macht das schon? Und vor allem, wer macht das bewusst und mit der Absicht, die negativen Dinge auszublenden. Und wenn man dann so seinen eigene Film ansieht, würde man es anders machen, wenn man nochmal die Chance dazu hätte? Viele Konjunktive, weil wir unsere Vergangenheit eh nicht ändern können. Also, den Blick nach vorn! Wenn man die Assoziation mit dem Auto wieder nimmt, nach vorne ist der Ausblick doch auch viel schöner und breiter! Im Rückspiegel sehen wir nur einen kleinen Ausschnitt.

Und auch heute, wie wir uns Gedanken um die Opfer der aktuellen Katastrophe in München Gedanken machen. Ja, trauern, Mitgefühl für die vielen Angehörigen und Freunde. Die Medien helfen uns sehr…

In Kabul sind übrigens 61 Menschen getötet und 207 bei Bombenanschlägen verletzt worden. Nur mal so als Randinfo!

Ein paar Worte, die ich schon ein paar Mal in Kommentaren so oder ähnlich verwendet habe:

Ich habe einen Freund in Paris, der die Anschläge damals hautnah 
mitbekommen hat. Er sagte mir: Merde, was da alles passiert ist, heute 
trauern wir um die Opfer, aber wir Pariser werden nicht unser Leben 
ändern, schon morgen werde ich wieder meinen Espresso in meinem 
Lieblingscafé zu mir nehmen und ich werde mich dann auch wieder mit 
meinen Freunden treffen…


Wenn ich bedenke, dass ich in meinen 4 Jahren in München so oft im OEZ 
war… Es ist einfach nur bedrückend! 


Aber das Leben genießen, jeden Moment, das dürfen uns diese Wahnsinnigen nicht nehmen!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein friedliches, inspirierendes Wochenende mit vielen Glücksmomenten.

 

 

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